Arbeit mit dem Inneren Kind – was ist das?

Die Arbeit mit dem sog. Inneren Kind ist in der therapeutischen Begleitung von Familien in Belastungssituationen weit verbreitet. Gern gebe ich im Folgenden einen Einblick in diese Methode, die zur Linderung psychischer Probleme beitragen kann.

Bei der Arbeit mit dem Inneren Kind handelt es sich um ein imaginatives Verfahren. Das heißt, wir arbeiten mit unserer Vorstellungskraft. Dabei gehen wir davon aus, dass jeder Mensch in sich verschiedene Anteile hat: Erwachsene Anteile, die den Alltag meistern. Elterliche Anteile, die kritisch oder fürsorglich sein können. Und kindliche Anteile, die Erinnerungen an unsere Kindheit gespeichert haben. Selbst wenn uns diese Erinnerungen nicht (mehr) bewusst sind, haben sich manche Ereignisse tief in die kindliche Seele eingebrannt. Insbesondere Situationen, in denen wir als Kind in großer emotionaler Not waren, uns unverstanden, allein, verlassen oder von einer wichtigen Bezugsperson verletzt gefühlt haben, große Angst hatten etc. spielen dabei eine große Rolle.

Derartige Ereignisse können einen erheblichen Einfluss auf unsere heutigen Verhaltensmuster als Erwachsene haben. Je nach Situation reagieren wir aus unterschiedlichen Anteilen heraus. Vielleicht haben Sie ja schon öfter bemerkt, dass Sie bei der leisesten Kritik sofort in den Rechtfertigungsmodus gehen oder sich gekränkt zurückziehen? Oder dass Sie Schwierigkeiten damit haben, gut für sich selbst zu sorgen oder sich umsorgen zu lassen? Auch wiederkehrende Konflikte in Beziehungen, sei es, dass Sie sich nicht wirklich auf jemanden einlassen können oder sich zu intensiv an eine Person binden, können auf alte Verletzungen hindeuten. Grundsätzlich sind all diese Gedanken und Gefühle vollkommen normal. Sobald sie Ihnen aber im Alltag Schwierigkeiten bereiten oder Sie belasten, kann es sich lohnen, diese Dinge anzuschauen und  ihnen auf den Grund zu gehen.

Wofür ist die Arbeit mit dem Inneren Kind wichtig?

Bei der Arbeit mit dem Inneren Kind geht es primär darum, sich selbst und seine Verhaltensmuster besser zu verstehen. Oft haben wir ein intuitives Gespür dafür, dass wir in bestimmten Situationen immer wieder emotional aus dem Gleichgewicht geraten. Wir merken beispielsweise, dass wir  überproportional heftig reagieren. Uns ist aber zunächst noch nicht bewusst, woher das kommt und wie wir uns künftig anders verhalten könnten. Durch die Arbeit mit dem Inneren Kind können wir uns zum einen selbst heilen und so befreiter leben. Zum anderen können wir damit auch unsere Beziehungen, insbesondere die zu unseren eigenen Kindern, maßgeblich verbessern.

Wie funktioniert die Methode genau?

Der erste Schritt ist zunächst, sich selbst gut zu beobachten, um wiederkehrende Denkmuster (sog. Glaubenssätze) zu erkennen. Danach gilt es, wieder Zugang zu seinen (früh-)kindlichen Gefühlen, Erlebnissen und Erfahrungen zu finden. Dies kann beispielsweise über das Anschauen alter Kinderfotos geschehen. In einem nächsten Schritt können wir die alten Glaubenssätze dann auflösen: Wir stellen dem Inneren Kind gezielte Fragen und warten geduldig, was in unserem Inneren an Bildern als Antwort oder Reaktion auftaucht. Es geht darum, alles, was uns in den Sinn kommt, lediglich wahrzunehmen, ohne es zu bewerten. Dann versuchen wir  in unserer Vorstellung unserem Inneren Kind all das zu geben, was es als Kind in dieser Situation am meisten gebraucht hätte. Dies könnte eine Umarmung, tröstende Worte, eine wärmende Decke, ein heißer Kakao oder einfach nur Anwesenheit bzw. Aufmerksamkeit sein.

Hierbei ist wichtig zu verstehen, dass das Verhalten, das wir heute in manchen Situationen als hinderlich oder inadäquat empfinden, früher für uns als Kind eine wichtige Funktion (beispielsweise Schutz vor Verletzung, Angst oder Schmerz) erfüllt hat. Es war somit angemessen, weil uns damals keine anderen Möglichkeiten zur Verfügung standen. Heute als reifer Erwachsener können wir in ähnlichen Situationen souveräner reagieren (lernen), die Schutzfunktion wird nicht mehr benötigt. Die Arbeit mit dem Inneren Kind kann auf der Gefühlsebene durchaus zunächst zu Trauer, vielleicht auch Wut und Verzweiflung führen, die dann aber  großer Erleichterung und Entspannung weicht und so die Tür zu mehr Wohlbefinden öffnet.

Wichtig: Die Arbeit mit dem Inneren Kind ist bei traumatischen Kindheitserlebnissen und bei Personen, die zur Fragmentierung, also zum Auseinanderfallen einzelner Persönlichkeitsanteile bzw. zur Dissoziation neigen, NICHT geeignet.

Sollten Sie an dieser Methode interessiert sein, vereinbaren Sie gern einen Termin und wir begeben uns gemeinsam auf die überaus spannende Reise.

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