Abschied vom Perfektionismus

Früher – also vor der Geburt des ersten Kindes – war irgendwie alles anders. Der Alltag hatte eine feste Struktur: Aufstehen, arbeiten gehen, einkaufen, vielleicht abends noch etwas Leckeres kochen und gemeinsam mit dem Partner essen. Außerdem regelmäßig zum Sport oder mit Freunden treffen. Die Wohnung war mehr oder minder aufgeräumt, zumindest regelmäßig mit dem Staubsauger grob gereinigt. Der Müll lief niemals über und weder Geschirr noch Wäsche stapelten sich unsortiert in Küche oder Bad. Emails waren gesichtet und es blinkten keine unbeantworteten Nachrichten auf dem Anrufbeantworter. Die Post war ebenfalls bearbeitet, Rechnungen fast immer fristgerecht bezahlt.

Kampf gegen das Chaos

Und nun? Frisch gebackene Eltern finden sich oft wieder in einem Chaos aus unerledigten Dingen, und überall befinden sich unaufgeräumte Haufen. Zur eigenen Unzufriedenheit mit dieser Situation kommt manchmal noch erschwerend die in Falten gezogene Stirn der Schwiegermutter, wenn sie zum wiederholten Male versucht, halbwegs Ordnung in die Küche zu bringen oder der stumme, vorwurfsvolle Blick des Partners, der abends aus dem Büro heimkommt und zum Glück wenigstens nicht ausspricht, was frau ahnt: „Was tust du denn den ganzen Tag daheim?“.

Dauerunterbrechungen statt Struktur

Fakt ist: ein Leben mit Säugling stellt alle Abläufe auf den Kopf. Kaum etwas kann mehr schnell nebenbei erledigt werden, weil die Aufmerksamkeit fast ständig beim Kind ist. Wenn es dann mal schläft, werden die allerwichtigsten Grundbedürfnisse erfüllt, z.B. essen oder duschen. Kaum hat man mit dem Haushalt auch nur angefangen, schreit das Kind, der Postmann oder das Telefon klingelt und schon ist die eben erst begonnene Tätigkeit unterbrochen. Das Kind muss gewickelt werden und ehe man erneut mit Haushaltsarbeiten anfangen kann, muss auch schon wieder gestillt oder gefüttert werden. Außerdem füllen noch Babymassage und/oder PEKiP-Termine regelmäßig den Kalender sowie Kinderarzttermine inklusive Impfungen.

Was also tun?
Gelassenheit üben. Tief durchatmen und akzeptieren lernen, dass sich das Leben einfach komplett geändert hat und Ansprüche, die früher galten, zumindest vorübergehend außer Kraft gesetzt sind.

Prioritäten setzen. Das Wichtigste ist und bleibt das Kind. Das Kind nimmt wahr, ob sie im Kontakt mit ihm präsent sind, mit ihm mitfühlen, sich Zeit nehmen. Und nicht, ob die Küche täglich aufgeräumt ist. Wenn noch Zeit und Kraft übrig ist, kann jeder für sich schauen, was wirklich wichtig ist, sei es eine saubere Küche, gewaschene Wäsche oder erledigte Korrespondenz. Oft wird uns die Wichtigkeit von außen auferlegt und bei kurzer Überprüfung stellen wir fest, dass es gar nicht unsere Prioritäten sind und dass es oft auch keine entscheidende Rolle spielt, ob die Tätigkeit heute oder aber erst übermorgen erledigt wird. Um die wirklich dringenden Termine nicht zu vergessen, können klassische Familienplaner, Kalender oder entsprechende Onlinetools eingesetzt werden.

Kleine Portionen vornehmen. Es ist unrealistisch, so wie vielleicht früher, den gesamten Samstagvormittag für die Hausarbeit zu nutzen. Das ist mit den Bedürfnissen und dem Tagesablauf eines Säuglings kaum vereinbar. Vielleicht ist an einem Tag der Einkauf dran, am nächsten Tag der Geschirrspüler, dann der Müll und die Wäsche am Wochenende.

Unterstützung annehmen und einfordern. Vielleicht können die (Schwieger-)Eltern ja ab und zu etwas Gekochtes vorbeibringen, der Partner auf dem Heimweg vom Büro noch das Nötigste einkaufen oder Nachbarn einen Brief mit zur Post nehmen oder ein Rezept aus der Apotheke abholen. Nur wer fragt, hat die Chance, Unterstützung zu bekommen.

Auszeiten gönnen. Es muss ja nicht gleich ein ganzes Wochenende mit der besten Freundin im Wellnesshotel sein. Aber für zwei Stunden ausgehen, abends eine Runde joggen oder ein Kinobesuch sollte möglich sein, damit Sie als Mama Ihre Akkus wieder aufladen können. Und falls Ihr Partner meint, Sie hätten ja tagsüber genügend Freizeit, bieten Sie ihm doch einen Tag Rollentausch an. Das verändert Perspektiven und kann durchaus gewinnbringend für beide Seiten sein.

In diesem Sinne: Genießen Sie die unwiederbringliche erste Zeit mit Ihrem Kind und nehmen Sie Abschied von überholten Ansprüchen nach Perfektionismus. Flexibel auf das Hier und Jetzt reagieren ist das neue perfekt und 80% sind mehr als genug!

Wenn Sie Unterstützung benötigen, zögern Sie nicht, mich zu telefonisch oder per Email zu kontaktieren. Ich begleite Sie gern dabei, die herausfordernde Zeit mit Säugling zu meistern.

Anschrift

Silvia Fritzsch
Heilpraktikerin für Psychotherapie 
c/o WORTREICH Logopädie N. Riedmair
Pfarrer-Zauner-Str. 8
85635 Höhenkirchen-Siegertsbrunn
Tel. 08102/8747132

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