Mein Partner muss doch sehen, dass ich Hilfe brauche!

Es ändert sich einfach alles

Endlich ist es soweit, das Baby ist geboren. Und stellt seitdem das Leben der Eltern gehörig auf den Kopf. Egal, wie viele Gedanken das Elternpaar sich vorher gemacht, wie viele Bücher es gelesen und mit wie vielen Menschen es sich vor der Geburt über die anstehenden Veränderungen ausgetauscht hat, es ist doch vieles anders als gedacht. Mein Mann hat das einmal schön zusammengefasst: „Mir war klar, dass sich mit der Geburt unseres Sohnes ETWAS ändern wird, aber es ändert sich EINFACH ALLES!“.

Arbeitsteilung

Vielleicht waren die ersten Wochen zu dritt entspannt, weil beide Elternteile zuhause waren und viel Zeit hatten, sich auf die neue Situation einzustellen. Vielleicht verlief die Anfangszeit aber auch turbulent. Obwohl heutzutage viel mehr Väter Elternzeit nehmen als noch vor einigen Jahren, gilt in vielen Familien die traditionelle Arbeitsteilung. Der Mann ist voll berufstätig und sorgt für die finanzielle Sicherheit der Familie. Die Frau kümmert sich um Kind und Haushalt und steigt zumindest vorübergehend aus dem Beruf aus. Damit der Mann frühmorgens fit in den Job starten kann und natürlich weil der Mann das Baby nicht stillen kann, ist die Frau in aller Regel diejenige, die nachts aufsteht, wenn das Baby schreit. Dieses Schlafdefizit wirkt sich in einem nicht zu unterschätzenden Ausmaß auf ihr Befinden und ihre Belastbarkeit am nächsten Tag aus.

Unterschiedliche Belastungen

Wenn der Mann abends von der Arbeit nachhause kommt, besteht bei der Frau häufig der Wunsch, das – unter Umständen schreiende – Baby einfach einmal abzugeben, um beispielsweise in Ruhe duschen gehen zu können. Der Mann seinerseits wünscht sich einen entspannten Feierabend, weil auch er einen anstrengenden Tag hinter sich hat. Die Tage der beiden mögen sehr unterschiedlich gewesen sein und auch der Stress ist unterschiedlicher Natur. Während die Frau in Dauerbereitschaft auf die Signale ihres Babys achtet, steht sie unter hohem „emotionalen Stress“, der Mann im beruflichen Kontext mit Termindruck, Projektabschlüssen etc. unter hohem „rationalen Stress“.

Was also tun mit dieser schwierigen Situation?

  1. Verzicht auf Wettbewerb: Es geht nicht um einen Wettbewerb, wer den schwereren Tag hatte und wer demzufolge ein größeres Recht auf Entspannung hat.
  2. Aktiv Zuhören: Wichtig ist, füreinander Verständnis aufzubringen und den anderen in seiner Situation wahrzunehmen, d.h. sozusagen in „seine Schuhe zu schlüpfen“. Dafür empfiehlt sich die Methode des Aktiven Zuhörens. Hierbei geht es darum, dem Partner zuzuhören, wie es ihm geht und das Verstandene zurückzugeben.
    Beispiele:
    Sie: „Ich bin so kaputt, Paul hat heute noch nicht einmal Mittagsschlaf gehalten.“
    Er: „Du bist völlig geschafft und hattest heute keine Zeit zum Durchschnaufen.“

    Er: „Ich habe mich heute so über den Kollegen Karl geärgert, statt mir die versprochenen Informationen zu liefern, hat er mal wieder nur Ausreden parat gehabt und ich musste am Ende alles alleine machen.“
    Sie: „Du bist sauer auf Karl, weil er dich hat hängen lassen.“

    Da das Aktive Zuhören im alltäglichen Sprachgebrauch eher ungewohnt ist, bedarf es sicher einiger Übung. Die Vorteile liegen auf der Hand: beim Aktiven Zuhören konzentriert man sich voll auf den Partner und eigene Meinungen und Lösungsimpulse rücken in den Hintergrund. Somit fühlt sich der Partner in hohem Maße verstanden und ernst genommen, was zu einer tieferen Verbindung und einer innigeren Beziehung führt. Die beste Basis also für eine langfristig glückliche Beziehung.

  3. Wunsch nach Hilfe aktiv ansprechen: Auch wenn wir uns wünschen, unser Partner könnte uns alle Gedanken, Wünsche und Bedürfnisse von den Augen ablesen, entspricht dies in den seltensten Fällen der Realität. Wenn wir uns also Hilfe von unserem Partner wünschen, müssen wir dies aktiv mitteilen. Wir müssen konkret sagen, welche Form der Unterstützung wir benötigen. Nur so besteht die Chance, dass wir die Hilfe bekommen, die wir wirklich brauchen. Sobald wir etwas ansprechen, gärt es nicht mehr im Stillen vor sich hin und erzeugt keinen unterschwelligen Frust, der sich dann für den Partner häufig überraschend an anderer Stelle entlädt. 
  4. Unterstützung suchen: Vielleicht gibt es ja im unmittelbaren Umfeld Personen, die Sie unterstützen könnten, sei es im Haushalt, bei Einkäufen oder in der stundenweisen Babybetreuung. Werden Sie kreativ! Es gibt vermutlich auch für Sie Möglichkeiten, die bislang noch nicht in Betracht gezogen wurden, um sich kleine Inseln oder Auszeiten im Alltag zu schaffen. Es lohnt sich, gemeinsam nach Lösungen zu schauen, wie es jedem der beiden Elternteile möglich werden kann, seine Akkus wieder aufzuladen, sei es durch Sport, Treff mit Freunden, Wiederaufnahme von Hobbies oder ähnlichem. Denn nur, wenn es uns selbst gut geht, können wir auch unserem Kind etwas geben.
  5. Nicht zu lange warten: Falls Sie über längere Zeit unzufrieden sind und sich Streitigkeiten oder auch resigniertes Schweigen immer mehr zuspitzen, lohnt es sich, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine gute Beziehung der Eltern wirkt sich Studien zufolge ausgesprochen positiv auf die kindliche Entwicklung aus.

Ich bin gern für Sie da und begleite Sie durch diese anspruchsvolle Phase.