Warum Kinder oft kein Ende finden (können) – und wie wir als Eltern diese Situationen gut meistern

Kommt Ihnen folgende Situation bekannt vor?
Sie holen Ihr Kind vom Kindergarten ab und gehen auf dem Nachhauseweg noch auf den Spielplatz. Nach einer halben Stunde sagen Sie Ihrem Kind, dass es jetzt an der Zeit ist, nachhause zu gehen, beispielsweise, weil Sie noch Brot für das Abendessen einkaufen müssen. Ihr Kind ruft Ihnen aus der Ferne zu: „Nur noch zweimal rutschen, Mama!“ und ist für weitere zehn Minuten verschwunden. Sie nehmen einen weiteren Anlauf: „Jetzt müssen wir wirklich los!“. Es folgt ein Betteln: „Bitte, bitte, bitte – nur noch einmal ganz hoch schaukeln!“ und Ihr Kind ist erneut Auf und Davon. Allmählich verlieren Sie die Geduld und Ihr Ton wird schärfer: „Wir gehen jetzt augenblicklich nachhause und wenn du nicht sofort herkommst, war es der letzte Spielplatzbesuch für diese Woche!“. Sie zerren Ihr Kind vom Spielplatz und sowohl Sie als auch Ihr Kind sind frustriert.

Kinder leben vollständig im Hier und Jetzt. Was für Eltern oft eine große Herausforderung darstellt, ist bei näherer Betrachtung eine wirkliche Gabe, die wir als Erwachsene irgendwann im Laufe unseres Lebens verlernt haben. Im Gegensatz zu uns Eltern verfügen Kinder noch nicht über Planungsfähigkeiten. Sie möchten jetzt auf dem Spielplatz bleiben. Das Abendessen ist für sie in weiter Ferne und damit für den Moment bedeutungslos.

Damit Situationen wie Spielplatzbesuche oder auch das Abholen unseres Kindes bei Freund/in nach einem gemeinsamen Spielnachmittag nicht im Streit enden, können Sie folgende Anregungen ausprobieren:

  • Ihr Kind auf die Situation vorbereiten. Beispielsweise können Sie direkt beim Abholen im Kindergarten oder bevor Sie Ihr Kind zum Spielnachmittag zum Freund/zur Freundin bringen, mit ihm besprechen, was danach noch zu erledigen ist und wieviel Zeit zum Spielen möglich ist. Sie können vereinbaren, dass Sie ihm fünf Minuten vor Ende der Spielzeit Bescheid geben und beim zweiten Mal wirklich Ende sein muss.
  • Auf Augenhöhe kommunizieren. Rufen Sie Ihrem Kind nicht aus der Ferne zu, dass jetzt Schluss ist. Bitten Sie es zu sich her, gehen Sie auf Augenhöhe mit Ihrem Kind und erklären Sie in ruhigem Ton, dass Sie jetzt nachhause müssen, weil Sie noch Brot für das Abendessen brauchen und der Bäcker bald schließt.
  • Gemeinsam nach Lösungen suchen. Erklären Sie Ihrem Kind, was Ihr Problem ist („Wir haben kein Brot mehr, was sollen wir denn dann heute Abend essen?“) und versetzen Sie sich gleichzeitig in die Situation Ihres Kindes („Du möchtest viel lieber noch hier auf dem Spielplatz bleiben, als jetzt zum Bäcker zu gehen, stimmt’s?“). Wenn Sie Ihrem Kind auf diese Weise zeigen, dass Sie Verständnis für seine Bedürfnisse haben, wird es eher bereit sein, mit Ihnen gemeinsam nach einer Lösung für das fehlende Brot zu suchen. Fragen Sie Ihr Kind nach Ideen. Häufig unterschätzen wir unsere Kinder und ihre Kreativität.
  • Den eigenen Standpunkt hinterfragen. Versuchen Sie, die Situation kurz aus der Vogelperspektive zu betrachten. Die Sonne scheint und es ist wirklich schön, draußen zu sein und Ihrem Kind zuzuschauen, wie quietschvergnügt es zwischen Rutsche, Schaukel und Sandkasten ist. Außerdem ist da noch eine andere Mama, mit der man sich wirklich nett unterhalten kann. Vielleicht ist es gar nicht so wichtig, jetzt sofort aufzubrechen. Es gibt Alternativen zum Bäckerbrot, über die es sich zumindest nachzudenken lohnt. Verstehen Sie mich jetzt bitte nicht falsch! Mir geht es keineswegs darum, unseren Kindern jeden Wunsch zu erfüllen. Aber es gibt Situationen, in denen ich es durchaus sinnvoll finde, zu hinterfragen, warum wir als Eltern manche Dinge gerade so entscheiden, wie wir es tun.

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