Hilfe, mein Kind schläft immer noch nicht allein!

Häufig bekomme ich die Frage gestellt, ab welchem Alter ein Kind im eigenen Bett bzw. im eigenen Zimmer schlafen sollte. Die Tonalität dieser Frage ist in der Regel eine Mischung aus Sorge und Ärger. Sorge darüber, sein Kind zu sehr zu verwöhnen, wenn man es lange im Elternbett schlafen lässt. Ärger, weil sowohl die eigene Schlafqualität als auch die Paarbeziehung leiden. Darüber hinaus erschwert empfundener Druck des Umfeldes, beispielsweise von (Schwieger-)Eltern oder (kinderlosen) Freunden eine Entscheidung. Sätze wie „Das Kind muss doch endlich mal alleine schlafen.“, „Du hast mit sechs Wochen schon in deinem eigenen Bett geschlafen.“, „Da müsst ihr einfach konsequent sein.“, „Ihr verzieht euer Kind völlig.“ stehen im Widerspruch zu dem meist intuitiv vorhandenen Gespür, dem Kind Nähe und Geborgenheit geben zu wollen. Vor allem junge Eltern sind hier leicht zu verunsichern.

Schreien lassen schadet

Eins vorneweg: Das kindliche Bedürfnis nach Nähe zu ignorieren und es nachts schreien zu lassen, gefährdet die Bindungsbeziehung. Das Kind verinnerlicht dann, dass niemand da ist, wenn es sich in  emotionaler Not befindet. Je jünger ein Kind ist, desto mehr sollte es die Erfahrung zuverlässiger und feinfühliger Bezugspersonen machen. Bedürfniserfüllung führt zu Zufriedenheit und Entspannung und lässt somit leichter wieder einschlafen. Mit Verwöhnen hat das nichts zu tun.

Rituale zum Schlafen

In einem ersten Schritt kann es sinnvoll sein, das abendliche Zubettbringen über mehrere Tage zu beobachten, um mögliche Ursachen für die Schwierigkeiten herauszufinden. Leidet das Kind unter Trennungsängsten, wenn es ohne uns schlafen muss? Hat es Angst vor Dunkelheit oder bösen Träumen? Befürchtet es, etwas zu verpassen? Wann klappt es etwas besser, was ist an diesen Abenden anders? Als hilfreich haben sich gleichbleibende Rituale (z.B. Spieluhr, Geschichte vorlesen, Singen, Massage, o.ä.) erwiesen. Insbesondere im 1. Lebensjahr kann auch ein sogenanntes „Übergangsobjekt“ helfen, beispielsweise ein Schmusetuch oder Kuscheltier, das nach uns riecht. Außerdem sollte der Medienkonsum eingeschränkt werden. Insbesondere sehr junge Kinder sollten keinesfalls allein vor dem Fernseher bzw. Smartphone/Tablet sitzen – sie müssen die Möglichkeit haben, Gesehenes zu besprechen. Sind die Kinder älter, empfiehlt sich, mit ihnen sowohl über ihre als auch über die eigenen Bedürfnisse und Wünsche bezüglich des Schlafens zu sprechen. Kinder können sehr kreativ sein und sind in der Regel gern bereit,  gemeinsam mit uns nach Lösungen zu suchen, wenn sie verstehen, wo konkret unser Problem liegt. Häufig können schon kleine Veränderungen die Situation für alle Beteiligten deutlich entspannen.

Im eigenen Bett schlafen

Wenn beide Elternteile den Wunsch haben, dass das Kind in seinem eigenen Zimmer schläft, können sie folgende Vorgehensweise versuchen, wenn das Kind nachts schreit: Zuverlässig und zeitnah, d.h. bevor das Kind in Panik gerät, ins Zimmer gehen, Licht auslassen, Kind im Bett lassen, beruhigend auf es einreden und ggf. streicheln/Handhalten. Sobald es sich beruhigt hat, wieder rausgehen. Anfangs  sollte immer dieselbe Person kommen, um dem Kind Kontinuität zu bieten.

Ausnahmen sind durchaus möglich, beispielsweise, wenn das Kind krank ist oder ein Elternteil nicht da ist. Wichtig ist eine grundsätzliche Klarheit für alle Beteiligten und Einigkeit unter beiden Elternteilen, um abendliche Diskussionen über den Schlafort zu vermeiden.

Im Elternbett schlafen

Darf das Kind im Elternbett schlafen, weil alle sich damit wohl fühlen und die Nähe genießen, ist nichts einzuwenden. Wichtig ist, sich selbst ehrlich die Frage zu beantworten, wessen Bedürfnisse dabei erfüllt werden. Ist es wirklich der Wunsch des Kindes, im elterlichen Bett zu nächtigen oder sind es eher die Eltern, die nicht loslassen können?

Fazit

Eine pauschale Antwort, ab welchem Alter ein Kind zwingend in seinem eigenen Bett bzw. eigenen Zimmer schlafen MUSS, gibt es nicht. Sollte das Thema Schlafen jedoch zu anhaltenden Belastungen in Ihrem Familienalltag führen, können wir gern gemeinsam nach Lösungen suchen. Vereinbaren Sie einfach einen Termin!

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